Der Beitrag unterstreicht die Notwendigkeit, Europas Handlungsfähigkeit durch institutionelle Reformen zu stärken. Angesichts wachsender geopolitischer Unsicherheiten brauche Europa mehr Eigenständigkeit, mehr gemeinsame Entscheidungsfähigkeit und eine stärkere demokratische Grundlage für seine Außen-, Sicherheits- und Wirtschaftspolitik.
Der Appell erscheint vor dem Hintergrund der unberechenbaren US-Politik, des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine und zunehmender globaler Spannungen. Schon im Mai 2026 hat EUD-Generalsekretär Christian Moos in einem Beitrag mit dem Titel „Warum Europa einen Bundesstaat braucht“ darauf hingewiesen, dass Europas Sicherheit und Wohlstand nicht länger von externen Mächten abhängen dürfen. Die Autorinnen und Autoren des aktuellen Beitrags in Le Nouvel Obs greifen diese Debatte auf und konkretisieren sie: Europa müsse sich wirtschaftlich und politisch enger zusammenschließen, um seine Sicherheit selbst gewährleisten und seine Werte in einer Welt konkurrierender Großmächte behaupten zu können.
Zu den zentralen Forderungen gehören:
- die Vollendung des Binnenmarkts, insbesondere in den Bereichen Finanzdienstleistungen, Telekommunikation, digitale Märkte und Energie,
- der Ausbau der Kapitalmarktunion und Bankenunion, damit europäische Ersparnisse stärker in Europa investiert werden,
- der Aufbau einer gemeinsamen europäischen Verteidigung mit gemeinsamen Fähigkeiten und einer eigenen Befehlskette,
- die Einrichtung eines Europäischen Sicherheitsrats,
- Mehrheitsentscheidungen in zentralen Politikfeldern, darunter Außenpolitik, Verteidigung, Steuerfragen und Finanzpolitik,
- eine „Union in der Union“ als föderale Vorreitergruppe integrationsbereiter Mitgliedstaaten, offen für weitere Staaten, die sich anschließen möchten.
In dem Beitrag heißt es sinngemäß: „In einer so gefährlichen Welt, in der unsere Sicherheit und unser Überleben auf dem Spiel stehen, können wir nicht akzeptieren, dass eine einzelne Hauptstadt alle anderen aufhalten kann.“
Die Europa-Union Deutschland begrüßt diesen Appell als wichtigen Impuls für die Debatte über die Zukunft Europas. Die Forderung nach einer „Union in der Union“ knüpft an die föderalistische Überzeugung der Europa-Union an: Europa kann seine Freiheit, Demokratie und soziale Marktwirtschaft nur dann wirksam schützen, wenn es politisch handlungsfähiger, wirtschaftlich souveräner und demokratisch stärker legitimiert wird.
Jetzt gilt es, diese Ideen in konkrete Reformen zu übersetzen. Europa braucht den Mut, nationale Blockaden zu überwinden und dort voranzugehen, wo Mitgliedstaaten bereit sind, Verantwortung für die gemeinsame Zukunft zu übernehmen.
Weiterführende Links:
Originalbeitrag in Le Nouvel Obs: „Avenir de l’Europe: Nous avons besoin d’une Union dans l’Union“